Die Überschrift hört sich zwar dramatisch an – in der Tat spreche ich aber von Hamburgs letzter Briefmarke, der Wertstufe zu 2 1/2 Schilling, die erst im Mai 1867 erschien und die damit nur eine Lebensdauer von gut 7 Monaten hatte. 2 1/2 Schilling war ja das Porto nach Dänemark, das vom Hamburger Stadtpostamt benötigt wurde, nachdem das dänische Oberpostamt nach dem Ende des deutsch-dänischen Krieges im Jahre 1864 geschlossen worden war. Im Jahre 1864 war man, um schnell die gewünschte Wertstufe zur Verfügung zu haben, auf das Steindruckverfahren der Firma Adler ausgewichen (vergl. „Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (5)“); 300.000 Marken waren damals gedruckt worden, und die waren jetzt ziemlich verbraucht. Da die Steindruckmarken aber doch ziemlich „mickrig“ im Druck erschienen (die Platten nutzten sich schnell ab, die Farben waren „instabil“), beauftragte man nun wieder die bewährte Senatsdruckerei Meißner mit ihrem Buchdruckverfahren. Die Druckqualität sollte doch wesentlich besser ausfallen – so zumindest dachte man.
Das Resultat aber war, gelinde gesagt, ziemlich ernüchternd. Die Grüntöne variieren, ebenso die vielen Bezeichnungen von „dkl`flaschengrün“ über „stumpfolivgrün“, „graugrün“, „dunkelopalgrün“ bis „dunkelgrün“ – da soll sich noch jemand auskennen. Der „Michel“ listet dennoch zwei Farben auf, „a“ und „b“ , unter denen wohl die helleren und die dunkleren Nuancen zusammengefasst sind. Zähnungsabarten gibt es auch einige, wie ich gleich zeigen werde. Auch hier wurde offensichtlich in der Druckerei mit „heißer Nadel gestrickt“. Von der gesamten Auflage von 192.000 Stück blieb am Ende (also zum 31.12.1867) gut die Hälfte übrig und wurde dann später mit den Restbeständen an die Firma Goldner verkauft.
Im Gegensatz zur ersten 2 1/2-Schilling-Marke jetzt ein neues „Design“. Gute Druckqualität sieht aber anders aus….
Diese ist mal gut zentriert
Streifeneinheiten sind gar nicht häufig
Ein Paar mit Wasserzeichen „Turm“, in der Aufsicht schwer zu erkennen
In der Durchsicht gut zu erkennen: Wasserzeichen „Turm“
„… (das Papier) war zum Schutze gegen Fälschungen mit einem Wasserzeichen versehen. Die Druckbogen hatten eine solche Größe, dass auf ihnen zwei Markenblätter zu je 96 Stück gedruckt werden konnten. Das Wasserzeichen bestand aus zwei rechteckigen Rahmen mit je 12 Schlangenlinien, die unten in der Mitte durch eine Grundlinie verbunden waren, auf der sich das Hamburger Wappen befand. Beim Druck ist es vorgekommen, dass der Bogen nicht immer ganz genau auf die Druckplatte gelegt wurde. Dadurch ist es möglich, dass eine senkrechte Reihe ohne Wasserzeichen blieb; in solchen Fällen tragen die beiden untersten Marken der senkrechten Reihe Teile des Hamburger Wappens.“1
Das Farben“spiel“ bei allen diesen Stücken ist doch ganz beeindruckend !?!
Zwei Beispiele für die Zähnungsabarten: Der Viererblock ist in der Mitte waagerecht ungezähnt…
…der Achterstreifen beginnt mit drei „Normalmarken“, dann folgt eine senkrechte Doppelzähnung und dann fehlt anschließend die senkrechte Zähnung bei drei Marken.
„a“-Farbe – jedenfalls so attestiert
„b“-Farbe gemäß Prüfungsattest
Beide Briefe gingen an den gleichen Empfänger und wurden innerhalb von 5 Tagen versandt. Die dunkle Farbe zeigt einen viel klareren Druck als die etwas „verwaschenere“ helle Nuance.
1Zitiert aus: Hamburg, seine Postgeschichte, Postwertzeichen und Poststempel. Festschrift zur Erinnerung an die 50jährige Wiederkehr des Gründungstages des Vereins für Briefmarkenkunde zu Hamburg von 1885. (Richard Weissenburg)
Dies sind die einzigen beiden Marken, die nicht in Hamburg hergestellt wurden. Waren bisher sämtliche Hamburger Briefmarken bei den Druckereien Meisner (die Buchdruckmarken) und Adler (die Steindruckmarken) gedruckt worden, so wurde jetzt die preußische Staatsdruckerei in Berlin beauftragt. Diese Druckerei hatte zuvor bereits die Hamburger Ganzsachenumschläge produziert, und zwar in den Wertstufen ½, 1 ½, 2, 3, 4 und 7 Schilling. (Vergl. „Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (24): Da wir gerade über Ganzsachen sprechen“).
Ab dem Oktober 1865 benötigte man nun in Hamburg die Briefmarken-Wertstufe zu „1 ½ Schilling“, weil der Portosatz nach Lübeck von 2 auf 1 ½ Schillinge gesenkt worden war. Was uns heutzutage als „Anpassung“ verkauft wird, ist ja in der Regel das Gegenteil davon…. Und die Staatsdruckerei in Berlin hatte den Prägestempel für den Ganzsachenumschlag ganz einfach für den Druck der Briefmarken verwenden können. In Berlin wurden zu der Zeit ausnahmslos Briefmarken im Prägedruck hergestellt und die preußische Druckerei war auf diesem Gebiet der Drucktechnik führend.
Nun heißt es so schön in allen Literaturquellen: „…dem Publikum gefielen die sauber gedruckten Marken, wie auch die Umschläge mit den eingedruckten Wertzeichen [also die Ganzsachen] gut angenommen worden waren…“
Neben der neuen Wertstufe bestand stets eine rege Nachfrage nach den 1 ¼-Schilling Marken (das war das Porto für Briefe nach Schleswig-Holstein). Die alten Vorräte gingen zur Neige. Und da die Qualität der Adler`schen Steindruckmarken durch Abnutzung des Druckstocks immer schlechter wurde, fragte der Hamburger Postmeister in Berlin an, ob man nicht diese Wertstufe auch dort produzieren könne. Der Prägestempel der Ganzsachenumschläge sei verwendbar, nur müssten die vier Ecken des Ganzsachen-Wertstempels zum Hochrechteck ergänzt werden, da sonst eine Verwechselungsgefahr mit etwaigen ausgeschnittenen Ganzsachen-Wertstempeln gegeben wäre (die Verwendung von Ganzsachen-Ausschnitten war in Hamburg streng verboten).
Nochmal zur Erinnerung: Der Ganzsachen-Wertstempel
…und die Original-Marke. Ein Eckrandpaar in der „a“-Farbe
…und die „b“-Farbe zum Vergleich
Interessanterweise ist also der Wert zu 1 ½ Schilling vor der Wertstufe „1 ¼“ erschienen (April bzw. Juni 1866). Um in der Reihenfolge der „Michel“-Nummerierung zu bleiben, zeige ich Ihnen hier aber die 1866er-Ausgabe in der bekannten aufsteigenden Wertstufen-Reihenfolge.
Schöne Farbe und klare Stempel
Der Brief war zunächst als Ortsbrief mit 1/2 Schilling frankiert. Der Empfänger wohnte aber nicht „hier“, sondern in Kiel. 1 1/4 Schilling war das korrekte Porto
Nach Mecklenburg reichten 1 1/4 Schilling nicht, da erfolgte eine Nachtaxierung
Völlig korrekt nach Dänemark mit 2 1/2 Schilling frankiert. Der Postbeamte meinte aber wohl „Grevesmühlen“ statt Greismölle bei Vejle und übergab den Brief von Stadtpostamt ans Mecklenburgische Postamt („HAMBURG BAHNHOF“)
1 1/4 Schilling nach Marne in Schleswig-Holstein; die Recogebühr von 2 1/2 zusätzlichen Schillingen wurde gleich mitfrankiert
Es gibt ein paar interessante Plattenfehler bei dieser Marke:
Der Plattenfehler „I“ – „3“ statt „B“
Der gleiche Plattenfehler auf der unteren Marke
Der Plattenfehler „II“ – Das „O“ ziemlich zugeschmiert
Auch ohne große Lupe gut zu erkennen…
Der Plattenfehler „II“ auf Brief. Doppelfrankatur vermutlich auf Grund des Gewichtes
.. vergrößert – für „Sehschwache“
Hier ist die Marke unten ungezähnt. Die Durchstichleiste muss ausgefallen sein
Mal etwas anderes fürs Auge – nach dem ganzen „Lila“ der 1 1/4 Schilling-Wertstufe..
Die Abstempelung hat der Postbeamte gut hingekriegt!
Post nach Lübeck – 1 1/2 Schilling ab Oktober 1865
Der gleiche Portosatz ins Hannöversche. Im August 1867 wurde die Post nach Hannover vom preußischen Postamt abgefertigt
Nicht nach Burgwedel, sondern nach Burgdorf bei Hannover. Zuständig im Oktober 1867: das preußische Postamt in Hamburg.
Nach Beendigung des Drucks wurde die beiden Originalprägestempel aus Berlin an das Hamburger Staatsarchiv übergeben und sie werden im Museum für Hamburgische Geschichte verwahrt. Amtliche oder gar private Neudrucke wurden NIE angefertigt. Alle heute im Handel befindlichen Neu-/Nachdrucke sind auf private Bestellung von unbefugt hergestellten Druckmaterialien produziert worden (vergl. Ausführungen im Kohl-HB, S. 431)
Eine Ausnahme gab es dann doch: Auf der gleichen Seite des Kohl-Handbuches finden wir die Anmerkung „Lediglich für die Bearbeitung des Kohl-Handbuches wurden von den je zwei 50er Galvanos jeden Wertes (ohne Reihenzähler) im Sommer 1932 mit amtlicher Genehmigung je ein (ungeprägter) Schwarzabzug auf Illustrationspapier hergestellt.“
Die „Illustrationsdrucke“ sehen dann so aus:
Sogar mit Zwischenstegen!
Auch diesen Bogen wird man sonst wohl nicht zu sehen bekommen!
Ich habe einmal eine Bogenrückseite gescant, sonst glaubt es vielleicht keiner.
Und zum Schluß noch eine kleine Kuriosität: Wie oben ausgeführt, wurden private Nachdrucke oder „Facsimilés“ im Laufe der Jahre immer wieder einmal produziert. Hier sind einmal zwei „Druckstöckel“. Damit kann man eine ganze Menge Spaß haben, oder sie auch als originelle Briefbeschwerer benutzen…
Im Jahre 1865 erschien die Freimarke zu 7 Schilling in violetter Farbe.
Spontan könnte man denken, dass der Auslöser dieses neuen Wertzeichens die Verwechselungsgefahr der „orangenen 7 Schilling“ mit der gelben 9 Schilling-Marke gewesen sei. Aber aus den Protokollen der Postdeputation geht hervor, dass eine Anpassung an die Postvereinsfarbe (lila) – z.B. der (Thurn & Taxis`schen) 5 Silbergroschen- bzw. 15 Kreuzer-Wertstufe – beabsichtigt war. Vielleicht wollte man auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen…(?!)
Die 7 Schilling in orange blieb jedenfalls frankaturgültig und konnte aufgebraucht werden, aber die violette Schwester dominiert die vorhandenen Korrespondenzen ab dem 2.Quartal 1865.
Hier fehlen nur die Seitenränder, sonst ein kompletter Oberrandstreifen mit 8 Marken
Zwei Farbnuancen, schon im „Kohl“-Handbuch erwähnt. Beide ungezähnte Stücke sind mit vollständiger Originalgummierung. Also: „Amtlich nicht verausgabt“ , Probedrucke oder Makulatur aus Restbeständen?
Es nicht klar, ob die ungezähnte Marke nicht doch gebraucht worden ist. Wird eine postalische Verwendung im „Kohl“-Handbuch noch ausgeschlossen, bestätigt der „Michel“-Katalog das Vorkommen solcher Stücke, wenn auch nur mit einer Notierung von „-.-“ . Mir sind zwei lose gestempelte Exemplar und ein Brief bekannt. Alle drei sind aber nicht breit genug geschnitten, um wirklich als „gebrauchte Ungezähnte“ durchzugehen.
Stempel des Stadtpostamtes – die Marke einmal sehr gut zentriert!
Bahnhofsstempel des preussischen Postamtes
Fremdentwertung im hannöverschen STADE
Stadtpoststempel in braunroter Farbe
Das kennen Sie schon: die Wertstufe zu 7 Schilling war vorgesehen für Post nach Holland und nach England. Hier ein paar Beispiele:
Einmal nicht an (häufigere) Adressen in London…
Als Randstück auf Briefen selten zu finden. Der linke Brief mit frühem Datum vom April 1865