Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (34): Hamburgs „letzter Mohikaner“

Die Überschrift hört sich zwar dramatisch an – in der Tat spreche ich aber von Hamburgs letzter Briefmarke, der Wertstufe zu 2 1/2 Schilling, die erst im Mai 1867 erschien und die damit nur eine Lebensdauer von gut 7 Monaten hatte. 2 1/2 Schilling war ja das Porto nach Dänemark, das vom Hamburger Stadtpostamt benötigt wurde, nachdem das dänische Oberpostamt nach dem Ende des deutsch-dänischen Krieges im Jahre 1864 geschlossen worden war. Im Jahre 1864 war man, um schnell die gewünschte Wertstufe zur Verfügung zu haben, auf das Steindruckverfahren der Firma Adler ausgewichen (vergl. „Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (5)“); 300.000 Marken waren damals gedruckt worden, und die waren jetzt ziemlich verbraucht. Da die Steindruckmarken aber doch ziemlich „mickrig“ im Druck erschienen (die Platten nutzten sich schnell ab, die Farben waren „instabil“), beauftragte man nun wieder die bewährte Senatsdruckerei Meißner mit ihrem Buchdruckverfahren. Die Druckqualität sollte doch wesentlich besser ausfallen – so zumindest dachte man.

Das Resultat aber war, gelinde gesagt, ziemlich ernüchternd. Die Grüntöne variieren, ebenso die vielen Bezeichnungen von „dkl`flaschengrün“ über „stumpfolivgrün“, „graugrün“, „dunkelopalgrün“ bis „dunkelgrün“ – da soll sich noch jemand auskennen. Der „Michel“ listet dennoch zwei Farben auf, „a“ und „b“ , unter denen wohl die helleren und die dunkleren Nuancen zusammengefasst sind. Zähnungsabarten gibt es auch einige, wie ich gleich zeigen werde. Auch hier wurde offensichtlich in der Druckerei mit „heißer Nadel gestrickt“. Von der gesamten Auflage von 192.000 Stück blieb am Ende (also zum 31.12.1867) gut die Hälfte übrig und wurde dann später mit den Restbeständen an die Firma Goldner verkauft.

Das Farben“spiel“ bei allen diesen Stücken ist doch ganz beeindruckend !?!

Zwei Beispiele für die Zähnungsabarten: Der Viererblock ist in der Mitte waagerecht ungezähnt…

…der Achterstreifen beginnt mit drei „Normalmarken“, dann folgt eine senkrechte Doppelzähnung und dann fehlt anschließend die senkrechte Zähnung bei drei Marken.

Beide Briefe gingen an den gleichen Empfänger und wurden innerhalb von 5 Tagen versandt. Die dunkle Farbe zeigt einen viel klareren Druck als die etwas „verwaschenere“ helle Nuance.

1Zitiert aus: Hamburg, seine Postgeschichte, Postwertzeichen und Poststempel. Festschrift zur Erinnerung an die 50jährige Wiederkehr des Gründungstages des Vereins für Briefmarkenkunde zu Hamburg von 1885. (Richard Weissenburg)

Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (32): 1865 – Farbwechsel von Orange zu Lila – Verwechselungsgefahr oder Vorgabe des Weltpostvereins?

Im Jahre 1865 erschien die Freimarke zu 7 Schilling in violetter Farbe.

Spontan könnte man denken, dass der Auslöser dieses neuen Wertzeichens die Verwechselungsgefahr der „orangenen 7 Schilling“ mit der gelben 9 Schilling-Marke gewesen sei. Aber aus den Protokollen der Postdeputation geht hervor, dass eine Anpassung an die Postvereinsfarbe (lila) – z.B. der (Thurn & Taxis`schen) 5 Silbergroschen- bzw. 15 Kreuzer-Wertstufe – beabsichtigt war. Vielleicht wollte man auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen…(?!)

Die 7 Schilling in orange blieb jedenfalls frankaturgültig und konnte aufgebraucht werden, aber die violette Schwester dominiert die vorhandenen Korrespondenzen ab dem 2.Quartal 1865.

Es nicht klar, ob die ungezähnte Marke nicht doch gebraucht worden ist. Wird eine postalische Verwendung im „Kohl“-Handbuch noch ausgeschlossen, bestätigt der „Michel“-Katalog das Vorkommen solcher Stücke, wenn auch nur mit einer Notierung von „-.-“ . Mir sind zwei lose gestempelte Exemplar und ein Brief bekannt. Alle drei sind aber nicht breit genug geschnitten, um wirklich als „gebrauchte Ungezähnte“ durchzugehen.

 

Das kennen Sie schon: die Wertstufe zu 7 Schilling war vorgesehen für Post nach Holland und nach England. Hier ein paar Beispiele:

Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (31): Die „Gezähnten“ kommen! (2)

Der zweite Teil meiner „Aspekte“ zu den gezähnten Ausgaben beginnt mit der

Wertstufe zu 2 Schilling. Hier zuerst ein paar prachtvolle Einheiten:

Als Einzelfrankatur war der 2-Schilling-Wert bestimmt für die Post nach Lübeck sowie von und nach Ritzebüttel (Cuxhaven):

So ging das natürlich nicht – 2 Schilling (statt 7) war dann wohl doch ein wenig „optimistisch“:

Mehrfachfrankaturen – very „easy“ (nämlich per 2) nach Preussen:

 

Eine „Kombi“ haben wir noch:

Die Wertstufe zu 3 Schilling:

Als Einzelfrankatur war der 3-Schilling-Wert das Porto nach Bremen und Oldenburg:

Als Mehrfachfrankaturen…:

… und als Kombinationsfrankaturen:

Die Wertstufe zu 4 Schilling:

Als Einzelfrankatur deckte der 4-Schilling-Wert das Porto nach Preußen. Das entsprach 3 preußischen Silbergroschen.

Eine Mehrfachfrankatur:

Zwischendurch eine Kuriosität:

Zum Schluss eine feine Kombination:

Die Wertstufe zu 7 Schilling:

 

 

Die Wertstufe zu 9 Schilling:

 

Und damit endet die Freimarkenausgabe von 1864.