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Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (12): Der Thurn & Taxis`sche Schiffspoststempel

Der Schiffspoststempel des Thurn & Taxis`schen Postamtes in Hamburg.

Die Post von Hamburg nach Frankreich und weiter darüber hinaus (z.B. nach Spanien, Portugal) wurde, nach dem Ende der Franzosenzeit in Hamburg und der Wiederöffnung der fremden Posten, von der Thurn & Taxis`schen Post befördert, und zwar ohne Ausnahme. Die alten Postkurse waren bewährt, sie führten – über Land – südlich von Hamburg durch das heutige Niedersachsen, dann teils durch die Niederlande, teils direkt über die entsprechenden Grenzstationen nach Frankreich. Anfang der 1830er Jahre kam man auf die Idee, eine regelmäßige Schiffsverbindung von Hamburg nach Le Havre einzurichten. Auch eine Anbindung von und nach Skandinavien bis hin nach St.Petersburg war ein stetes Argument für die Einrichtung einer solchen Direktlinie.

Die Akte „Errichtung einer direkten Briefbeförderung von und nach Frankreich“ im Hamburger Staatsarchiv ist etwa 2cm dick [1]. Sie umfasst Schriftstücke aus den Jahren von 1832 bis1837, in denen es darum geht, die Interessen aller Beteiligten (die Hamburger Stadtpost, Thurn & Taxis, Preußen usw.) in das Projekt einzubinden; es geht um Beförderungsdauer, Gebühren und natürlich um die wirtschaftlichen Vorteile und Risiken der beteiligten Kaufleute.

Dieser „Prospectus“ ist datiert vom 3.7.1832 und er war nichts anderes als eine Werbung dafür, sich an der Aktiengesellschaft zu beteiligen. Die Firma „Albrecht & Comp.“ aus Havre konkretisiert in ihrem Werbeschreiben vom August 1833 die ganze Angelegenheit. Und weil heutige Emittenten mit ihren Hochglanzbroschüren es auch nicht besser können, möchte ich Ihnen einen Auszug daraus hier einmal zitieren:

„Für die Versendung Französischer und Schweizer Fabrikate, für Mode-Artikel und Litteratur-Gegenstände, für edle Metalle, für den Transport von Pferden &c. wird sich dieses Unternehmen von grossem Nutzen bewähren; die billig gestellten Frachten, die die gewöhnlichen Schiffs-Frachten um wenig oder nichts übersteigen, sichern der Entreprise, jedoch auch die allgemeine Waaren-Versendung zwischen Havre und Hamburg, und bei Ersparung des Sund-Zolls, geringer Assurance und prompter Beförderung, darf man erwarten, dass die Champagne, wie das ganze nördliche Frankreich, selbst für Versendung nach der Ostsee, diesen Weg vorzugsweise wählen wird.

Die Verbindung mit den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika wird durch diese Dampf-Schiffahrt sehr erleichtert, indem bekanntlich 4 mal in jedem Monat Paket-Böte von Havre nach Newyork versegeln.

Es wird endlich für die Regierungen ein erleichtertes und wohlfeiles Communications-Mittel zur Beförderung von Courieren und Depeschen, und bei den Vortheilen, welche auch dem Brieflauf dadurch zu Theil werden könnten, denn Briefe, welche jetzt in 6 Tagen von Hamburg nach Paris gehen, werden mit den Dampf-Schiffen in 4 Tagen hinkommen können, ist es wohl nicht zu bezweifeln, dass man mit den betreffenden Behörden ein Abkommen wegen Beförderung der Briefe wird treffen können, wodurch dem Unternehmen ein, im Prospectus nicht mit angeschlagner, Nutzen von mindestens Fr. 50,000 entstehen würde.

Während dem nun die Anschläge der Kosten und der Einnahme nach genauer Berechnung von Sachverständigen ungeschmeichelt angenommen sind und nach diesen Berechnungen das Unternehmen den Theilhabern einen Nutzen von mehr als 20 pCt. pr. Anno zu liefern verspricht, werden den Interessenten sowohl wie dem Publicum im allgemeinen vielfältige Annehmlichkeiten und Vortheile daraus erwachsen.

Die Unterzeichneten halten sich überzeugt, dass auch insbesondere für die St.Petersburger Börse so wie für die russische Kaufmannschaft überhaupt diese Unternehmung von grossem Werthe sein wird, und indem sie sich freuen werden den Beifall des Publicums durch die Begründung einer so gemeinnützigen Sache zu erlangen, hoffen sie auch sich die Zufriedenheit der Theilhabe, durch den direkten Nutzen, welchen die Actien liefern werden, zu erwerben. Es ist ihre Absicht diese Dampf-Schiffahrt mit Monat May 1834 ins Leben treten zu lassen, und sie schmeicheln sich keine Fehlbitte zu thun, indem sie Sie ersuchen Sich dem Unternehmen anzuschliessen..

Havre im August 1833.“ 

Während Herr Dr. Meyer-Margreth [2] den Beginn der „Communionpost zwischen Hamburg und Le Havre“, also des „Joint Ventures“ zwischen der Thurn & Taxis`schen und der Hamburger Stadtpost auf das Jahr 1837 datiert, schreibt Borge Lundh [3] mit Bezug auf eine Veröffentlichung von D.A.Dromberg („Briefe nach Finnland mit Dampfschiffen Hamburg-Le Havre), „…. dass am 16.März 1835 das Dampfschiff „Hambourg“ in Hamburg eintrifft nach 32-stündiger Fahrt von Le Havre, mit Post und Zeitungen von Paris.“ Dieses Datum als Beginn der Postverbindung dürfte korrekt sein, denn in der oben genannten Akte im Hamburger Staatsarchiv fand ich folgenden Brief:

Der Brief ist ein wenig „mitgenommen“ und (wasser-)fleckig, wohl, weil er direkt auf der Hamburger Zollyacht geschrieben wurde.

Um diesen besonderen Schiffspostweg zu nutzen, musste auf den Briefen der Vermerk „Par voie de Mer“ oder „per Dampfschiff“ angebracht werden. Die Briefe erhielten im Hamburger Thurn & Taxis`schen Postamt den Stempel „B.M.H.R4″ (Boîte Maritime Hambourg Rayon 4“). und wurden dann vom Hamburger Stadtpostamt weiterbearbeitet. Die Beispiele für solche Briefe, die ich Ihnen hier vorstellen kann, zeigen dies eindeutig.

[1] Staatsarchiv Hamburg, Signatur 111-1-1083

[2] Dr.Ernst Meyer-Margreth. Die Poststempel von Hamburg von der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Hamburg, 1965.

[3] Borge Lundh. Der erste dänische Stempel Hamburgs. In: Postgeschichte und Altbriefkunde Heft 90/1987.

 

Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (11): Das Braunschweig-Lüneburgische Postamt

Das Braunschweig-Lüneburgische Postamt in Hamburg.

Die in Hamburg „ansässigen“ ausländischen Postanstalten sind uns Sammlern allgemein durch ihre Stempel (-Vielfalt) geläufig, z.B. vom dänischen, hannoverschen, mecklenburgischen oder schwedischen Postamt. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass über 100 Jahre lang eine eigenständige braunschweig-lüneburgische Post existierte, die ab 1706 Erwähnung findet und die in der Gr. Johannisstrasse Nr.10 untergebracht war. Als Küchenpost für die herzoglichen Höfe in Wolfenbüttel und Braunschweig schon früh erwähnt, war sie als Communionpost ab 1775 mit der großbritannisch-hannoverschen Fahrpost verbunden, aber auch das Stadtpostamt war angeblich daran beteiligt.[1]

(Bereits 1735  war die „Braunschweig=Wolfenbüttelsche Küchen=Post“ erwähnt: „Fähret ab mit Personen, Geld und Paqueten, im Sommer Mittwochs Abends um 5 Uhr, im Winter beym Thor=Schliessen, und kommt wieder an Freytags vormittags. In der Kleinen Johannis=Strasse im Preuß. Adler“). [2]

Nach der Schließung während der Franzosenzeit wurde die braunschweigische Post bereits ab  Ende Mai 1814 wieder eröffnet. Der Dienst wurde gemeinsam mit der hannoverschen Post ausgeführt, ab 1835 jedoch verlor sie ihre Eigenständigkeit und wurde von der hannoverschen Post übernommen.

Briefe, die der braunschweigischen Post zuzuordnen sind, kann man nur am rückseitigen Siegel des Postamtes erkennen, da es keine Poststempel gab.

In der Regel finden wir auf solchen Briefen die Fahrpoststempel des hannoverschen Postamtes. Der Brief, den ich Ihnen hier vorstelle, ist ein (post-) dienstlicher „Chargé“-Brief des Thurn & Taxis`schen Postamtes vom 26.Juni 1830. Er wurde vom braunschweigischen Postamt rückseitig gesiegelt („Herzogl. Br: Lun: Post Amt zu Hamburg“) und ist „An die Herzogliche Postdirection zu Braunschweig“ adressiert.

Poststücke der braunschweigischen Post in Hamburg sind sehr selten. Frau Gertraud Lange, langjährige Verbandsprüferin für beide Gebiete, Braunschweig und Hamburg, hatte in ihrem umfangreichen Archiv nur vier Belegstücke nachgewiesen.

 

[1] E.Maack „Die fremden Postämter in Hamburg“ in „Hamburg, seine Postgeschichte, Postwertzeichen und Poststempel“. Festschrift zur Erinnerung an die 50 jährige Wiederkehr des Gründungstages des Vereins für Briefmarkenkunde zu Hamburg von 1885. Hamburg,1935.

[2] LVIII.Accurate Post= und Boten=Charten der Vornehmsten Residentz= und Handels=Städte in Europa. Hamburg, bei Johann Christoph Kistners seel. Erben am Dom. Anno 1735,

 

Aspekte zur Hamburger Postgeschichte (10): „Aus bekannter Korrespondenz…“ – Hamburger Weinkorrespondenz

„Aus bekannter Korrespondenz…“,

diese Formulierung finden wir oft bei Beschreibungen alter Briefe oder Briefschaften in Auktionskatalogen. Es handelt sich in der Regel um Handelskorrespondenzen aus Firmenarchiven, die dort Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte überdauert haben.

Im 18. und 19.Jahrhundert spielen insbesondere die „Weinkorrespondenzen“ eine Rolle, das sind Korrespondenzen zwischen Handelshäusern – meist im Norden Europas – und den traditionellen französischen Weinanbaugebieten, und hier in erster Linie der Region von Bordeaux.

Ich habe erlebt, dass Juroren bei der Bewertung einer posthistorischen Ausstellungssammlung die Nase rümpfen, wenn in einem Exponat „zu viele“ Briefe an eine Adresse vorhanden sind. Andererseits könnten wir heute viele Entwertungen, Destinationen und Laufwege gar nicht darstellen oder in ihrem geschichtlichen Umfeld interpretieren, gäbe es diese Korrespondenzen nicht.

 

 

 

 

 

Eine besondere Stellung nimmt die Firma „Schröder & Schyler“ aus Bordeaux ein. Man mag es kaum glauben, aber diese Firma wurde bereits im Jahre 1739 in Hamburg gegründet, sie existiert heute also über 280 Jahre!

Schon vor fast 30 Jahren widmete das „Hamburger Abendblatt“ dieser Firma einen langen Artikel, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Die alten Weinkeller, die das eine Foto zeigt, existieren auch heute noch, genau wie auch die Firmenzentrale in Bordeaux, No. 35bis im Cours du Medoc.

Gehen Sie einmal auf die Webseite der Firma http://www.schroder-schyler.com,  und Sie werden „gewisse Ähnlichkeiten“ mit dem hier gezeigten Foto feststellen. Die Fotos haben wir im Sommer 2017 aufgenommen.

Heute ist die Firma Schröder & Schyler nach wie vor ein großer Händler für erlesene Weine. Auch ein eigenes Weingut gehört zum Unternehmen, das „Chateau Kirwan“, wo ganz ganz besonders gute Tropfen produziert werden.

Der heutige Chef der Firma, Yann Schyler, ist etwas reserviert, wenn es um Auskünfte zu alten Firmenkorrespondenzen geht. „Große Teile wurden gestohlen“, und man mag in eine Richtung denken, worin das böse Wort „Kriegsbeute“ vorkommt.

„Ich habe“, so Yann Schyler, „mehr als 400 Briefe zurückgekriegt, …, jetzt sind diese Dokumente wieder zu Hause. Interessant für mich ist, dass diese Briefe in Deutschland gesammelt werden, soweit ich sehen kann…“

Einen ganz kleinen Einblick, welche interessanten Dokumente wieder „zu Hause“ sind, gibt auch die entsprechende Sektion „Histoire“ auf der Webseite der Firma.

Ohne die Korrespondenzen aus Archiven solcher Firmen wie Schröder & Schyler wäre heute eine philatelistische Forschung, die ja auch politische und soziale Entwicklungen darstellt, nicht möglich.